Interdisziplinäre Konferenz

Operative Bilder

Projektteam
Projektteam

Die KISDconference Gestaltung operativer Bilder ist für Studierende und Lehrende der Köln
International School of Design (KISD) und anderer Institute der Fachhochschule Köln eine besondere Gelegenheit, das eigene Bildwissen zu erweitern und Einblicke in andere wissenschaftliche Gebiete zu erlangen.

Die steigende Bedeutung von Bildern in der Forschung, der Medizin, der Politik, der Wirtschaft und damit auch in der Alltagswelt der Menschen wirkt sich unmittelbar auf das Feld des Designs aus, das sich aus gestalterischer und theoretischer Perspektive mit der Wahrnehmung und Gestaltung von Bildern, mit ihren Bedeutungszuschreibungen, mit Bilderwelten und Blickregimen auseinandersetzt. Der Begriff der operativen Bildlichkeit mutet auf den ersten Blick abstrakt und unspezifisch an, obgleich er ein Phänomen beschreibt, das bereits in zahlreichen Lebensbereichen eine zentrale Rolle spielt. Die Begriffe operativ und Operation leiten sich vom lateinischen Wort operatio ab, das Verrichtung bedeutet. Operation steht in der Medizin für einen chirurgischen Eingriff, in der Informatik für einen Programmschritt, der durch einen Befehl ausgelöst wird, im Militär für den Einsatz von Streitkräften. Bezogen auf Bilder bedeutet operativ, dass die Bilder handlungsanleitend sind, dass sie Handlungen hervorrufen, bestimmen und steuern. Operative Bilder werden zugleich als Abbilder von Wirklichkeit und Vorbilder für neue Realitäten betrachtet. Sie zielen darauf ab, Phänomene, die gewöhnlich dem Blick entzogen sind, sicht-­ und vorstellbar zu machen, und das noch nicht Vorhandene vorauszudenken und zu entwerfen. Operative Bilder werden in Gestaltungsdisziplinen wie Design, Architektur und Städtebau nicht nur zur Veranschaulichung bestehender, sondern vielmehr zur Planung zukünftiger Prozesse, Dinge und Räume verwendet.

Die Art der Gestaltung von Bildern in der Medizin oder dem Militärwesen beeinflusst in erheblichem Maße die Handlungen der Bildanwender. Computergestützte, in Echtzeit übertragene Bilder werden zu integralen Bestandteilen des medizinischen oder militärischen Geschehens und führen gezielt Handlungen herbei, die sich unmittelbar auf die Lebenswirklichkeit der Menschen auswirken. An dieser Stelle bewegen sich Gestalterinnen und Gestalter von Bildern in Bereichen, welche ethisch derart prekär sind, dass die Verantwortung über die bildgeführten Handlungsergebnisse nicht mehr lediglich bei den Bildanwendern liegt, sondern zu gleichen Teilen bei den Gestalterinnen und Gestaltern. Vor allem in solchen Fällen ist die Einbeziehung und Zusammenführung von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Gestaltung von Bedeutung, um unterschiedliche Perspektiven auf das Phänomen der operativen Bilder zu gewinnen.Die interdisziplinäre KISD­Tagung Gestaltung operativer Bilder ist hierzu ein erster Schritt. Aus diesem Grund blicken wir, die Studierenden der KISD, der Veranstaltung mit großer Spannung entgegen und freuen uns auf den zu erwartenden, produktiven Austausch.

 

Beitrag im konferenzbegleitenden Buch

Friedrich W. Heubach – Täuschende Bilder

Das operative Buch

Wenn Friedrich Wolfram Heubach über Bilder spricht, geht es dabei meist um die Wirklichkeit von Bildern und die menschliche Wahrnehmung dieser. Unter anderem ist dies wohl seinem Psychologiestudium und seiner langjährigen Lehrtätigkeit im Fach Psychologie geschuldet. An der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 16 Jahre lang den Lehrstuhl für Psychologie und Pädagogik inne hatte, schaffte er eine Verbindung von Kunst und Psychologie. Zu seinen bekannten Werken gehört Das bedingte Leben von 1987, in welchem er sich – wie im Untertitel benannt – mit der „Theorie der psychologischen Gegenständlichkeit der Dinge“ befasst.

Mit dem Verhältnis von Bild und Wirklichkeit setzt sich Heubach etwa in seinem Beitrag „Virtuelle Realitäten und ordinäre Illusionen“ von 1995 auseinander. In diesem Aufsatz befasst er sich mit der „Wahrnehmung der visuellen Welt als ‚Wirklichkeit‘“ und mit der algorithmischen Bilderzeugung. Er stellt dabei computeranimierte Bilder als Simulation von Wirklichkeit in Frage und geht mit psychologischem Blick der Wahrnehmung dieser rechnerisch erzeugten Bilder nach. „Die Täuschung, welcher man sich derart durch die algorithmisch erzeugten Bilder ausgesetzt wähnt, geht nun allerdings nicht von ihnen aus. Sie hat ihren Ort vielmehr in der Wahrnehmung selbst. Denn die Annahme, dass Bilder die Realität des von ihnen Gezeigten bezeugen können […], ist nur das periphere Manifest einer viel grundlegenderen Annahme über die Wahrnehmung im Allgemeinen: Die Gewißheit des Wahrnehmens verbürge die Tatsächlichkeit des Wahrgenommenen.“ (Heubach 1995: 139) Auch in Heubachs Buch Ein Bild und sein Schatten von 1997 taucht die Frage nach dem Abbildcharakter erneut auf. Er schreibt über die eigene Logik von Bildern und deren nicht ausschließlich repräsentativen Bedeutung. „Und es ist diese Funktion der Bilder, in der sie […] eine Wirklichkeit nicht wiedergeben, sondern – wirkend – stiften: Eben indem sie etwas zeigen, das vielleicht gar nicht so gegeben ist, wie sie es zeigen.“ (Heubach 1997: 127)

Täuschende Bilder
Täuschende Bilder

Zu fragen wäre, ob die Ununterscheidbarkeit von algorithmisch erzeugten Bildern und Bildern, welche etwas tatsächlich Vorhandenes abbilden, Folgen für die menschliche Wahrnehmung von Bildern hat. Oder bedarf es lediglich eines aktualisierten Verständnisses von Bildwirklichkeit? Bilder verfügen über die Fähigkeit, Handlungen zu beeinflussen und menschliche Interaktion anzustoßen. Der Künstler und Medientheoretiker Harun Farocki benennt Bilder, welche nicht Dinge

Beitrag im konferenzbegleitenden Buch
Beitrag im konferenzbegleitenden Buch

repräsentieren, sondern Teil einer Handlung sind „operative Bilder“(Farocki 2004: 17). Und auch Friedrich W. Heubach schreibt: „Das entscheidend Neue des Mediums Video (…) liegt darin, daß dieses Medium kein Bild von der Realität gibt, sondern in sie eingeht und zu einer regulierenden Funktion, zu einem Dispositiv der Realität wird.“(Heubach 1983: 63) Heubach umkreist in seinen Texten auf vielfache Weise zum einen die Funktion von Bildern und deren Wirkungsbereich und zum anderen die Wahrnehmungen von und Erwartungen an rechnerisch hervorgebrachte Bilder.

Friedrich W. Heubach: Ein Bild und sein Schatten. Zwei randständige Betrachtungen zum Bild und der Melancholie und zur Erscheinung der Depression, Bouvier, 1997
Harun Farocki: Phantom Images, Public Number 29, 2004
Friedrich Heubach: Die verinnerlichte Abbildung oder das Subjekt als Bildträger, in: Bettina Gruber, Maria Vedder (Hg.): Kunst und Video – Internationale Entwicklung und Künstler, Du Mont Cologne, 1983